Die Geschichte des Kieler Klosters

Im Jahre 1242, kurz nach der Kieler Stadtgründung, stiftet Graf Adolph von Schauenburg IV dem Franziskaner Orden das Kieler Kloster, in das er später als Mönch eintritt. Vor dem Altar der Klosterkirche lässt er sich nach seinem Tode begraben. Die 100 Jahre später errichtete Grabplatte ist heute noch im Refektorium des Klosters zu besichtigen.

Wie in vielen Klöstern findet im 15. Jh. zunehmend Weltliches im Kieler Kloster statt, so dass dort Hochzeiten gefeiert oder Gerichtsversammlungen abgehalten werden. Die Klosterreformen Ende des Jahrhunderts (in Kiel 1503) sollen dieser Entwicklung Einhalt gebieten. Im Laufe der Reformation wird das Kloster aufgelöst. Es zieht die Stadtschule mit Lehrerwohnungen in das Gebäude.

1546 findet das im Mittelalter gegründete Heiliggeist-Hospital sein zu Hause im Kloster. 1665 wird das Kloster zum Ort der Universität, die nach ihrem Gründer Herzog Christian Albrecht benannt ist. Die 16 Professoren und 162 Studenten lehren und lernen in der theologischen, juristischen, medizinischen und artistischen Fakultät.

1766 ist das Klostergebäude in so schlechtem Zustand, daß die Universität ins benachbarte Schloß umzieht und die Gebäude bis auf Refektorium und Kirche abgetragen werden und als Steinbruch dienen. 1943 treffen Bomben auf die Stadt Kiel auch die Reste des Klosters und die Kirche, letztere wird vollkommen zerstört, erstere wird soweit zerbombt, dass es Pläne gibt, die kümmerlichen Reste ganz abzureißen.

Dank vieler Spenden aus dem In- und Ausland und der Unterstüzung von Professoren der theologischen Fakultät wird das Kloster durch den Verein "Studienhaus Kieler Kloster e.V." wieder aufgebaut. Professor Dr. Martin Redeker und Generallandschaftsdirektor Prof. Dr. jur. Gustav Rendtorff sind die Hauptinitiatoren bei der Gründung des Vereins.

1949/50 wird das theologische Studienhaus eröffnet. Gemeinsam mit den Lehrenden der Fakultät, dem Verein und ehemaligen Mitbewohnern kommen wir jedes Jahr zu einer Adventsfeier ins Refektorium zusammen. Zunächst leben hier nur "Klosterbrüder" der theologischen Fakultät. Seit 1990 ziehen hier nun auch Klosterschwestern ein, sowie auch Studierende anderer Fakultäten, die durch ihre Interessen und unterschiedlichen Studienfächer das Leben bereichern.

Die 13 Bewohnerinnen und Bewohner führen in ihren Ämtern (eins der elf Ministerien oder eins der zwei Senatorenämter) gemeinschaftliche Aufgaben aus. Das Haus bietet genug Möglichkeiten für gemeinsame Abende und kleine Feste. Aber auch in Ruhe kann man in der Bibliothek stöbern oder im Refektorium und Kreuzgang musizieren und Andachten feiern. Bis 1993 sind Refektorium und Kreuzgang Arbeits- und Aufenthaltsraum für die Bewohner. Heute steht es diesen offen, wenn keine anderen Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Empfänge der Kirche und der Stadt Kiel stattfinden.
Stattdessen wurde ein Wohzimmer im obersten Stockwerk eingerichtet.

 

All diese Zeilen können natürlich nur wenig von der besonderen Athmosphäre in diesem Haus wiedergeben. Viele ehemalige Bewohner denken gerne an die Zeit im Kieler Kloster zurück. Das merken wir am Interesse, mit dem sie das Leben hier verfolgen.

Im Laufe seiner Geschichte erfüllte das Klostergebäude verschiedene Funktionen, wobei auch unterschiedliche Interessen aufeinander trafen. So ist es auch in den Jahren nach 1950 gewesen. Dennoch war des Kloster stets ein Hort des Glaubens, Denkens und Studierens.

 

Wir hoffen, daß dieser Charakter des Hauses gewahrt bleibt und daß es auch für nachfolgende Generationen ein Theologisches Studienhaus, das in all diesen Dingen lebt und Leben bewahrt, bleibt.